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Archive for the ‘Schweiz’ Category

Die FMH führt jedes Jahr Befragungen der Assistenten zu ihren Weiterbildungsstätten durch. Dabei kann man zu verschiedenen wichtigen Bereichen der Weiterbildung Noten vergeben. Diese werden dann im Internet veröffentlicht, ausser die bewertete Klinik möchte das nicht (weil das Ergebnis so schlecht war).

Das ist eine gute Sache. Aber so richtig helfen einem die Bewertungen nicht weiter, weil man ihnen vieles, was man für Bewerbungen eigentlich wissen will, nicht entnehmen kann. Darüber leiden die Ergebnisse auch am Phänomen der zentralen Tendenz.

Ein paar Kollegen und ich haben deshalb neulich nach ein paar Gläsern (oder Fässern?) Wein beschlossen, eine Seite mit subjektiven Erfahrungen von Assistenten verschiedener Kliniken zu starten. Zunächst in diesem Blog und je nach Beteiligung später unter einer eigenen Adresse.

Die Bewertungen sind rein subjektiv und betreffen nur die Qualitäten der jeweiligen Klinik als Arbeitgeber von Assistenzärzten.

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Habe die letzten Wochen mal wieder am Bewerbungskarussel gedreht. War recht amüsant. Zum einen, weil man in der derzeitigen Situation nach wie vor selbstbewusst auftreten kann (Jobs wie Sand am Meer), zum anderen, weil es nach wie vor Chefs gibt, die noch auf einem anderen Stern leben. Vor allem die deutschen Chefär… (man verzeihe mir diesen billigen zidanesken Kopfstoss) sind teilweise wirklich der Hammer. Darauf möchte auch die Überschrift dieses Posts in meinem bescheidenen Vulgärlatein hinaus: Man sollte sich bei Abteilungen oder Kliniken mit deutschen Chefs am besten gar nicht bewerben.

Viele scheinen die menschenverachtenden deutschen Verhältnisse in die Schweizer Spitäler importieren zu wollen. Weiterbildung? Natürlich in der Freizeit. Überstunden? Fallen nicht an, wenn man gut arbeitet. Umgangston? Kasernenhofjargon. Wertschätzung der Mitarbeiter? Gehen Sie doch nach drüben, wenn es Ihnen nicht passt. Teamwork? Hä? Führungskompetenz? Fehlanzeige.

Neben den schon gemachten Erfahrungen während meiner Assistentenjahre, kamen nun noch nette Erlebnisse bei den Bewerbungsgesprächn dazu. Einer wollte mir eine 80% Stelle (Salär) zu 100% anbieten (Arbeitszeit), aber die Masche kannte ich schon. Einer war besonders innovativ und hatte eine Woche „Probearbeiten“ im Sinn. Wir sind uns nicht einig geworden, weil ich partout nicht verstehen wollte, wozu denn die übliche vertragliche Probezeit dann noch gut sein sollte. Bei den Gehältern hat der eine oder andere auch gemeint tricksen zu können. Eigentlich gibt es für Assistenten in der Schweiz kantonale Lohntabellen, in denen man nach Berufserfahrung (Weiterbildungsjahre) eingestuft wir. Aber einige dachten wohl deutsch und blond = blöd und willig. Sie haben sich getäuscht. Es hat richtig Spass gemacht abzusagen.

Es gab aber auch sehr angenehme Bewerbungsgespräche, insbesondere mit Schweizern, bei denen man freudig zur Kenntnis nahm, dass Gesprächsführung durch aus eine Tugend ist. Interessant war auch, dass mich keiner mehr nach meinem Kinderwunsch gefragt hat und die meisten einer Teilzeitstelle gegenüber sehr aufgeschlossen waren.

Daraus ergeben sich folgende Empfehlungen für alle, die sich in der Schweiz bewerben:

1. Deutsche Chefs meiden.

2. Nicht in der Schweiz des Geldes wegen arbeiten (lohnt sich für Assistenzärzte nicht).

3. Trotzdem vor dem Bewerbungsgespräch die kantonalen Lohntabellen studieren.

4. Gezielt nach der Weiterbildung fragen (Stunden pro Woche, Weiterbildungsurlaub etc.).

5. Dienstmodell erfragen.

6. Nach Gespräch mit Chef/OA um Führung durch das Haus durch einen Assistenten bitten. Da erfährt man dann all das was die Hauspropaganda verschwiegen hat.

7. So bewerben, dass man Optionen hat und sich für das beste Angebot entscheiden kann.

8. In der Probezeit kündigen, wenn es Mist ist. Eine neue Stelle ist schnell gefunden.

9. Nicht vergessen: Die Stellensituation ist so, dass man selbstbewusst auftreten kann.

10. Viel Erfolg!

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Die Schweizer und ihr Land muss man einfach mögen. Neulich gab es eine besondere Interpunktion, als ich einen chirurgischen Kollegen am Telefon hatte. Es ging um einen Patienten mit einer akuten GIT-Blutung (warum ich neben dem Gastroenterologen auch den Chirurgen anrufen musste ist eine andere Geschichte). Er fragte zusammenhangslos dahin, wie man das eben mit Notfallassistenten so macht (vielleicht habe ich ja die Sozialanamnese vergessen). Nachdem wir uns mehrmals über die Vitalzeichen (stabil) und die Wünsche des Patienten unterhalten hatten, fragte er ob der Patient denn schockiert sei … ich muss gestehen ich habe mich zunächst über den Smalltalk gewundert und ca. 3 Minuten mit ihm weiter parliert, bis ich gemerkt habe was er meint. Zu meiner Entlastung muss gesagt werden, dass ich ihm zuvor mehrmals über die stabilen Vitazeichen einsch. Puls und Blutdruck berichtet hatte.

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Nach nunmehr 4 Jahren Knechten für die Helvetier einige zusammenfassende subjektive Anmerkungen:

Das Geld lohnt nicht

1. Grundsätzlich lohnt sich der Sprung aus der grossen Bananenrepublik im Herzen Europas in die Schweiz nicht des Geldes wegen. Der Verdienst ist bei Einbeziehung aller Variablen wie weniger Urlaub, höhere Lebenshaltungskosten etc. in etwa gleich, mit Diensten in D evtl. sogar höher. Im Web kursieren ein Paar Artikel in denen behauptet wird, ein Assistent verdiene in der Schweiz mehr als 6000 Euro. Das ist falsch, aber erklärbar: Der Schreiberling hat Franken mit Euro verwechselt.

Sensibilität für den Spätzlegraben unabdingbar

2. Wer in die Schweiz geht, muss bereit sein, die nötige Sensibilität für die kulturellen Unterschiede, insbesondere auch zwischen der BRD und der Deutschschweiz, aufzubringen. Es gibt nämlich nicht nur den vielzitierten Röstigraben zwischen den Welschen und den Alemannen, sondern auch noch einen Spätzlegraben: der Rheingraben zwischen Bodensee und Basel. Südlich spricht man zwar vermeintlich auch Deutsch, aber das Lebensgefühl, das soziale Gefüge und der Umgang miteinander sind völlig anders. Viele Einwanderer aus D merken das nicht; das ist einer der Gründe warum wir bei den Schweizern nicht immer beliebt sind. Wer diese Kultur mag (sie ist es wert!), für den lohnt sich der Schritt nach Süden, für alle anderen nicht.

Deutsche Chefs meiden

3. Wer vor dem Hintergrund dieser Voraussetzung in CH arbeiten möchte, sollte Kliniken bzw. Abteilungen mit Chefs, die aus dem Ausland kommen, meiden, insbesondere solche mit einem CA aus D. Natürlich ist das eine Pauschalisierung, aber meine Erfahrung und die vieler Kollegen, die ich in den letzten drei Jahren kennengelernt habe, ist, dass die Chefs aus dem Ausland oft, die runtergewirtschaftete Führungskultur ihrer Heimatmedizin mit in die Schweiz bringen. Die Verwaltungen der mehr und mehr zum Sparen gezwungenen Kliniken freut es natürlich, wenn z.B. der aus D importierte Privatdozent (wo ist eigentlich das Labor, in dem die alle geklont werden), durch seine Ausbeutermasche auf eine Art und Weise seine Abteilung saniert, die ein Schweizer nie wagen würde. Meist meinen sie es gar nicht bös, sie haben nur niemals lernen dürfen, das man auch Assistenszärzte menschenwürdig behandeln kann und trotzdem gute Leistung dafür bekommt. Darüber hinaus wird oft versucht das in CH etablierte und vom Arbeitgeber geförderte Fortbildungssystem zu unterlaufen (vgl. 4.). Auch die in der Schweiz in der Regel übliche Erfassung der Arbeitszeit sieht man natürlich nicht so eng (vgl. 5.) Dafür sollte man nicht mit Kind und Kegel auswandern, das kann man in D billiger haben. Drum: niemals bei deutschen Chefs bewerben (die wenigen guten mögen mir verzeihen).

Weiterbildung oft besser als in Deutschland

4. Die Schweiz lohnt sich für diejenigen, die eine didaktische und strukturierte Ausbildung suchen. Dafür gibt es zwar auch bessere Regionen wie z.B. GB oder die USA, aber die Lernkultur ist in den echten Schweizer Kiniken (vgl. auch 3.) meist besser als in der BRD. D.h. es gibt zusätzliche Fortbildungstage mit finanzieller Unterstützunge seitens der Klinik, unter der Woche finden während der Arbeitszeit strukturierte Fortbildungen statt, der Assistent arbeitet unter enger fachlicher Anleitung des OA etc. Das hängt damit zusammen, das die Weiterbildungsermächtigung eng und nachhaltig mit dem Erfüllen eines strukturierten Curriculums verbunden ist. Je nach vertraglicher Arbeitszeit sind das bis zu vier Stunden pro Woche, die von Chefs aus D natürlich gern in Arbeitszeit auf Station umgewidmet werden.

Wöchentliche maximale Arbeitszeit 50 Stunden

5. Seit 2005 gilt in CH auch für Assistenz- und Oberärzte eine wöchentliche Höchstarbeitszeit von 50 Stunden. In der Regel werden die täglichen Arbeitszeiten deshalb dokumentiert und Überzeiten werden in irgendeiner Form abgegolten. Darüber hinaus sind pro Jahr maximal 140 Überstunden erlaubt (unabhängig vom Ausgleich). Man nimmt sich auch in den Akutfächern durchaus Zeit für Frühstück (znüni), Mittag und Kaffe (zvieri). Das sind Dinge, die die Chefs aus D natürlich gern umgehen. Wie in ihrem Heimatland, denn dort sind die realen Arbeitszeiten ja auch schon immer illegal gewesen, es kümmert sich nur niemand darum.

Nicht als Regelbrecher missbrauchen lassen

6. Wer aus D in die Schweiz geht, sollte wissen, dass viele Dinge, die hier anders sind, von der VSAO, einer Art helvetischem Marburger Bund, auf die unauffällige und kompromissfixierte schweizerische Art erkämpft wurde. Wer also, die gesetzlichen Regelungen unterläuft, schiesst sich langfristig nicht nur ins eigene Knie, sonderen schadet seinem Gastland.

Die Schweiz lohnt nur für eine kleine spezielle Gruppe

7. Zusammenfassend lohnt sich der Schritt in die Schweiz nur für die, die Punkt 2 (s.o.) interessiert. Alle anderen sind wahrscheinlich in D besser oder zumindest gleich bedient. Wer wirklich einen guten Deal machen möchte, sollte sich vielleicht in den GB-, USA-, F-, NL und den Pazifischen Foren umsehen.Wie gesagt, dies ist keine wissenschaftliche Studie, sondern eine subjektive Erfahrung einer Fachärztin, die sich seit mehr als vier Jahren bei den Helvetiern verdingt hat. Vermutlich gibt es noch viele andere und wichtige Dinge, die ich ausgelassen habe. Können andere gern ergänzen …

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