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Archive for the ‘Assistenzärzte’ Category

Für den Fall, dass ein Sterblicher jemals diesen Blog lesen möge, ein paar Anmerkungen zu den aktuellen Tarfiverhandlungen des Marbuger Bundes in D:
Wie kommen Menschen, die laut der undifferenzierten Meinung vieler zur Hilfeleistung rund um die Uhr verpflichtet sind, dazu ein angemessenes Gehalt zu fordern? Noch dazu wo wir doch im Gesundheitswesen sparen müssen?
Ganz einfach, weil beide Annahmen zwar weitverbreitet, aber sachlich falsch sind: In der Bananenrepublik Deutschland regiert zwar schon länger merkelsches Mittelmass (MM), aber es handelt sich noch immer um eines der reichsten Länder der Erde. Warum sollten Ärzte also für professionelle Arbeit nicht ein angemessenes Honorar erhalten. Zumindest solange der Durchschnittsbürger sich Zigaretten, Zweitwagen, Eigenheim, zweimal Urlaub im Jahr leistet? Die derzeitigen Tariflöhne für Ärzte sind deshalb völlig inakzeptabel und die Forderung nach 10% mehr erscheint mir sehr bescheiden.
Und was den Zwang zu Sparen angeht: Gesundheit kostet Geld bzw. Ressourcen. Höhere Lebenserwartung und medizinisch-technischer Fortschritt kosten noch mehr Geld. Das gibts nicht billig. Wer also länger Leben und die Errungenschaften der modernen Medizin nutzen will, muss auch zahlen. Eine Politik, die den Menschen vorgaukelt, das gäbe es zum gleichen Preis wie vorher, wenn man nur spart, handelt wider besseres Wissen.

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Nach nunmehr 4 Jahren Knechten für die Helvetier einige zusammenfassende subjektive Anmerkungen:

Das Geld lohnt nicht

1. Grundsätzlich lohnt sich der Sprung aus der grossen Bananenrepublik im Herzen Europas in die Schweiz nicht des Geldes wegen. Der Verdienst ist bei Einbeziehung aller Variablen wie weniger Urlaub, höhere Lebenshaltungskosten etc. in etwa gleich, mit Diensten in D evtl. sogar höher. Im Web kursieren ein Paar Artikel in denen behauptet wird, ein Assistent verdiene in der Schweiz mehr als 6000 Euro. Das ist falsch, aber erklärbar: Der Schreiberling hat Franken mit Euro verwechselt.

Sensibilität für den Spätzlegraben unabdingbar

2. Wer in die Schweiz geht, muss bereit sein, die nötige Sensibilität für die kulturellen Unterschiede, insbesondere auch zwischen der BRD und der Deutschschweiz, aufzubringen. Es gibt nämlich nicht nur den vielzitierten Röstigraben zwischen den Welschen und den Alemannen, sondern auch noch einen Spätzlegraben: der Rheingraben zwischen Bodensee und Basel. Südlich spricht man zwar vermeintlich auch Deutsch, aber das Lebensgefühl, das soziale Gefüge und der Umgang miteinander sind völlig anders. Viele Einwanderer aus D merken das nicht; das ist einer der Gründe warum wir bei den Schweizern nicht immer beliebt sind. Wer diese Kultur mag (sie ist es wert!), für den lohnt sich der Schritt nach Süden, für alle anderen nicht.

Deutsche Chefs meiden

3. Wer vor dem Hintergrund dieser Voraussetzung in CH arbeiten möchte, sollte Kliniken bzw. Abteilungen mit Chefs, die aus dem Ausland kommen, meiden, insbesondere solche mit einem CA aus D. Natürlich ist das eine Pauschalisierung, aber meine Erfahrung und die vieler Kollegen, die ich in den letzten drei Jahren kennengelernt habe, ist, dass die Chefs aus dem Ausland oft, die runtergewirtschaftete Führungskultur ihrer Heimatmedizin mit in die Schweiz bringen. Die Verwaltungen der mehr und mehr zum Sparen gezwungenen Kliniken freut es natürlich, wenn z.B. der aus D importierte Privatdozent (wo ist eigentlich das Labor, in dem die alle geklont werden), durch seine Ausbeutermasche auf eine Art und Weise seine Abteilung saniert, die ein Schweizer nie wagen würde. Meist meinen sie es gar nicht bös, sie haben nur niemals lernen dürfen, das man auch Assistenszärzte menschenwürdig behandeln kann und trotzdem gute Leistung dafür bekommt. Darüber hinaus wird oft versucht das in CH etablierte und vom Arbeitgeber geförderte Fortbildungssystem zu unterlaufen (vgl. 4.). Auch die in der Schweiz in der Regel übliche Erfassung der Arbeitszeit sieht man natürlich nicht so eng (vgl. 5.) Dafür sollte man nicht mit Kind und Kegel auswandern, das kann man in D billiger haben. Drum: niemals bei deutschen Chefs bewerben (die wenigen guten mögen mir verzeihen).

Weiterbildung oft besser als in Deutschland

4. Die Schweiz lohnt sich für diejenigen, die eine didaktische und strukturierte Ausbildung suchen. Dafür gibt es zwar auch bessere Regionen wie z.B. GB oder die USA, aber die Lernkultur ist in den echten Schweizer Kiniken (vgl. auch 3.) meist besser als in der BRD. D.h. es gibt zusätzliche Fortbildungstage mit finanzieller Unterstützunge seitens der Klinik, unter der Woche finden während der Arbeitszeit strukturierte Fortbildungen statt, der Assistent arbeitet unter enger fachlicher Anleitung des OA etc. Das hängt damit zusammen, das die Weiterbildungsermächtigung eng und nachhaltig mit dem Erfüllen eines strukturierten Curriculums verbunden ist. Je nach vertraglicher Arbeitszeit sind das bis zu vier Stunden pro Woche, die von Chefs aus D natürlich gern in Arbeitszeit auf Station umgewidmet werden.

Wöchentliche maximale Arbeitszeit 50 Stunden

5. Seit 2005 gilt in CH auch für Assistenz- und Oberärzte eine wöchentliche Höchstarbeitszeit von 50 Stunden. In der Regel werden die täglichen Arbeitszeiten deshalb dokumentiert und Überzeiten werden in irgendeiner Form abgegolten. Darüber hinaus sind pro Jahr maximal 140 Überstunden erlaubt (unabhängig vom Ausgleich). Man nimmt sich auch in den Akutfächern durchaus Zeit für Frühstück (znüni), Mittag und Kaffe (zvieri). Das sind Dinge, die die Chefs aus D natürlich gern umgehen. Wie in ihrem Heimatland, denn dort sind die realen Arbeitszeiten ja auch schon immer illegal gewesen, es kümmert sich nur niemand darum.

Nicht als Regelbrecher missbrauchen lassen

6. Wer aus D in die Schweiz geht, sollte wissen, dass viele Dinge, die hier anders sind, von der VSAO, einer Art helvetischem Marburger Bund, auf die unauffällige und kompromissfixierte schweizerische Art erkämpft wurde. Wer also, die gesetzlichen Regelungen unterläuft, schiesst sich langfristig nicht nur ins eigene Knie, sonderen schadet seinem Gastland.

Die Schweiz lohnt nur für eine kleine spezielle Gruppe

7. Zusammenfassend lohnt sich der Schritt in die Schweiz nur für die, die Punkt 2 (s.o.) interessiert. Alle anderen sind wahrscheinlich in D besser oder zumindest gleich bedient. Wer wirklich einen guten Deal machen möchte, sollte sich vielleicht in den GB-, USA-, F-, NL und den Pazifischen Foren umsehen.Wie gesagt, dies ist keine wissenschaftliche Studie, sondern eine subjektive Erfahrung einer Fachärztin, die sich seit mehr als vier Jahren bei den Helvetiern verdingt hat. Vermutlich gibt es noch viele andere und wichtige Dinge, die ich ausgelassen habe. Können andere gern ergänzen …

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