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Archive for the ‘Assistenzärzte’ Category

Zensur

Angeblich findet in westlichen Demokratien ja keine Zensur statt und so. Ein Fall, der auch in der Schweiz diskutiert wurde und auf den mich strappato wieder aufmerksam gemacht hat, zeigt, dass das ein Märchen ist. 

Der Artikel in der Süddeutschen (s. Link) fasst die ganze Geschichte gut zusammen. Erschreckend ist, dass es nicht nur eine Fachzeitschrift war, die einfach so einen Artikel auf Druck von Anzeigenkunden aus dem Heft kippt, sondern gleich zwei.

Es ist ein Skandal, der uns alle in der Praxis anspornen sollte, kritisch mit Arzneimittelverordnungen umzugehen. Vor allem wirft er aber ein merkwürdiges Licht auf den Thieme-Verlag, aus dem ja viele unserer pseudowissenschaftlichen Comichefte kommen, gegen teure Bezahlung versteht sich.

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Die FMH führt jedes Jahr Befragungen der Assistenten zu ihren Weiterbildungsstätten durch. Dabei kann man zu verschiedenen wichtigen Bereichen der Weiterbildung Noten vergeben. Diese werden dann im Internet veröffentlicht, ausser die bewertete Klinik möchte das nicht (weil das Ergebnis so schlecht war).

Das ist eine gute Sache. Aber so richtig helfen einem die Bewertungen nicht weiter, weil man ihnen vieles, was man für Bewerbungen eigentlich wissen will, nicht entnehmen kann. Darüber leiden die Ergebnisse auch am Phänomen der zentralen Tendenz.

Ein paar Kollegen und ich haben deshalb neulich nach ein paar Gläsern (oder Fässern?) Wein beschlossen, eine Seite mit subjektiven Erfahrungen von Assistenten verschiedener Kliniken zu starten. Zunächst in diesem Blog und je nach Beteiligung später unter einer eigenen Adresse.

Die Bewertungen sind rein subjektiv und betreffen nur die Qualitäten der jeweiligen Klinik als Arbeitgeber von Assistenzärzten.

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Habe die letzten Wochen mal wieder am Bewerbungskarussel gedreht. War recht amüsant. Zum einen, weil man in der derzeitigen Situation nach wie vor selbstbewusst auftreten kann (Jobs wie Sand am Meer), zum anderen, weil es nach wie vor Chefs gibt, die noch auf einem anderen Stern leben. Vor allem die deutschen Chefär… (man verzeihe mir diesen billigen zidanesken Kopfstoss) sind teilweise wirklich der Hammer. Darauf möchte auch die Überschrift dieses Posts in meinem bescheidenen Vulgärlatein hinaus: Man sollte sich bei Abteilungen oder Kliniken mit deutschen Chefs am besten gar nicht bewerben.

Viele scheinen die menschenverachtenden deutschen Verhältnisse in die Schweizer Spitäler importieren zu wollen. Weiterbildung? Natürlich in der Freizeit. Überstunden? Fallen nicht an, wenn man gut arbeitet. Umgangston? Kasernenhofjargon. Wertschätzung der Mitarbeiter? Gehen Sie doch nach drüben, wenn es Ihnen nicht passt. Teamwork? Hä? Führungskompetenz? Fehlanzeige.

Neben den schon gemachten Erfahrungen während meiner Assistentenjahre, kamen nun noch nette Erlebnisse bei den Bewerbungsgesprächn dazu. Einer wollte mir eine 80% Stelle (Salär) zu 100% anbieten (Arbeitszeit), aber die Masche kannte ich schon. Einer war besonders innovativ und hatte eine Woche „Probearbeiten“ im Sinn. Wir sind uns nicht einig geworden, weil ich partout nicht verstehen wollte, wozu denn die übliche vertragliche Probezeit dann noch gut sein sollte. Bei den Gehältern hat der eine oder andere auch gemeint tricksen zu können. Eigentlich gibt es für Assistenten in der Schweiz kantonale Lohntabellen, in denen man nach Berufserfahrung (Weiterbildungsjahre) eingestuft wir. Aber einige dachten wohl deutsch und blond = blöd und willig. Sie haben sich getäuscht. Es hat richtig Spass gemacht abzusagen.

Es gab aber auch sehr angenehme Bewerbungsgespräche, insbesondere mit Schweizern, bei denen man freudig zur Kenntnis nahm, dass Gesprächsführung durch aus eine Tugend ist. Interessant war auch, dass mich keiner mehr nach meinem Kinderwunsch gefragt hat und die meisten einer Teilzeitstelle gegenüber sehr aufgeschlossen waren.

Daraus ergeben sich folgende Empfehlungen für alle, die sich in der Schweiz bewerben:

1. Deutsche Chefs meiden.

2. Nicht in der Schweiz des Geldes wegen arbeiten (lohnt sich für Assistenzärzte nicht).

3. Trotzdem vor dem Bewerbungsgespräch die kantonalen Lohntabellen studieren.

4. Gezielt nach der Weiterbildung fragen (Stunden pro Woche, Weiterbildungsurlaub etc.).

5. Dienstmodell erfragen.

6. Nach Gespräch mit Chef/OA um Führung durch das Haus durch einen Assistenten bitten. Da erfährt man dann all das was die Hauspropaganda verschwiegen hat.

7. So bewerben, dass man Optionen hat und sich für das beste Angebot entscheiden kann.

8. In der Probezeit kündigen, wenn es Mist ist. Eine neue Stelle ist schnell gefunden.

9. Nicht vergessen: Die Stellensituation ist so, dass man selbstbewusst auftreten kann.

10. Viel Erfolg!

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Ein hoher Anspruch ist die Forderung nach stetiger Weiterbildung und lebenslangem Lernen. Find ich gut. Neugierig war ich schon immer und die Medizin besteht ja mehr aus Fragen als aus Antworten. Es müsste mir also leicht fallen, mich stetig weiterzubilden. Dachte ich.

Das Problem liegt im Detail. Bücher gibts inzwischen zu jedem Orchideenthema, eines bunter als das andere. Aber viele dieser Bände sind eigentlich schon veraltet, wenn sie erscheinen bzw. werden es bald danach sein (die Halbwertszeit medizinischer Informationen beträgt angeblich ca. 2.5 Jahre – wer misst das eigentlich wie?). Also greift man zu Fachblättern, davon gibts ja inzwischen auch für jeden Geschmack das passende. Bloss, wenn ich wirklich meine Neugier befriedigen wollte, wäre ich arm. Medizinische Fachzeitschriften sind dermassen teuer, dass auch bei problemorientierter Auswahl ein Assistentengehalt dafür leider nicht reicht. Da fragt man sich, warum das so sein muss. Das meiste, was da drin steht bezieht sich auf Studien, die mit öffentlichen Geldern oder Ressourcen der Industrie (inzwischen wohl häufiger) finanziert wurde. Dafür habe ich schon mit Steuern und den Medikamentenpreisen gelöhnt. Warum muss ich dafür nochmal bezahlen?

Einfacher wäre es, man stellt die Blättchen ins Internet, dann hat man kaum Produktionskosten und aktueller wären sie auch. Mich wundert besonders, dass die internationalen Top-Journals das nicht machen – ich meine kostenlos. Schliesslich ist die publizierte Information ein öffentliches Gut, auf das jeder Zugriff haben sollte.

Bis dahin ist es vermutlich meine naive Sicht der Dinge. Ans Unseriöse grenzt aber dieses unsägliche Webegeschmiere.  Wie soll ich bitte, ein Fachjournal ernst nehmen, wenn jede dritte Seite Werbung von Pharmafirmen ist? In Zeiten, in denen die meisten Studien zu neuen Medikamenten von eben diesen Firmen finanziert sind, wäre es doch wichtig, dass in den Journals gerade diese Studien und die damit verbundenen Therapieregimes kritisch diskutiert werden. Es widerspricht aber jeder Lebenserfahrung, dass eine Zeitschrift unabhängig ist, wenn jede dritte Seite aus Werbung derer besteht, die kritisiert werden sollen. Was bleibt ist der begründete Verdacht, dass die eine odere andere anerkannte Therapie sich auf dem miefigen Nährboden solcher Strukturen zu unrecht etablieren konnte.

Inzwischen lese ich (aus Notwehr) die offiziellen Organe der verschiedenen Fachgesellschaften nur noch selten. Meine theoretische Weiterbildung hat dadurch einen gewissen Nihilismus bekommen, besteht sie doch überwiegend aus dem Studium des Arznei Telegramms. Leider erscheint es nicht so häufig, wie es meine Neugier erwartet, aber es ist frei von Werbung und die Autoren haben eine erfrischende Skepsis.

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Das strahlt

Man soll nicht pauschalisieren, aber manchmal frage ich mich schon, ob Radiologen selektionsbedingt einfach so sind oder ob die Strahlung, das funzelige Neonlicht der Schirme, an die sie ihre Bilder pappen, oder diese muffigen Kellerräume die eine oder andere Persönlichkeitsveränderung hervorrufen.

In so ziemlich allen radiologischen Abteilungen, die ich in D und CH kennengelernt habe (nachts darf man als Notfall- oder Dienstärztin der MTA meist das Händchen halten, weil der Radiologe lieber zu Hause bleibt) wird beim CT-Thorax automatisch das Abdomen mitgefahren (und vice versa). Sozusagen „zur Sicherheit“, für den Fall, dass die grenzdebile Asssistentin nach der Frage LE noch eine zum Bauchnabel des Patienten hat. Nach der generellen Inflation des CT in den letzten Jahren fragt man sich ja schon länger nach den strahlungsmedizinischen Folgen. Aber wenn die sogar alle doppelt untersucht werden …

Bizarr ist auch während Wochenenden und Nachtdiensten die Häufung der Empfehlung statt einem Sono, doch ein CT-Abdomen zumachen – ich meine Empfehlung radiologischerseits. Klar CTs haben eine nette Auflösung, das KM macht alles schön scharf und es bewegt sich auch nix. Aber mal ehrlich, ein Sono ist grundsätzlich eleganter, keine Strahlenbelastung, kein Risiko durch das KM. Dumm bloss, dass der Radiologe dafür (in der Schweiz) zum Patienten, sprich in die Klinik kommen muss – und das gerade an dem Wochenende an dem die geschiedene Ehefrau die Kinder vorbeigebracht hat. Das CT grillt der 28jährigen Patientin zwar die Eierstöcke, aber es gefährdet nicht das Sorgerecht, denn es kommt per DSL und Papi kann schnell die Playstation mit dem heimischen Bildschirm eintauschen.

Und dann ist da noch die Geschichte vom Radiologen, der am Wochenende und nachts immer mehr als 45 Minuten brauchte, bis er sich endlich telefonisch zur Befunddurchgabe meldete. – Ein DSL-Anschluss war ihm schlicht zu teuer, drum mussten die Bilder per ISDN zu ihm nach Hause überspielt werden. Ob das in D oder CH war sage ich jetzt mal nicht.

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Die Schweizer und ihr Land muss man einfach mögen. Neulich gab es eine besondere Interpunktion, als ich einen chirurgischen Kollegen am Telefon hatte. Es ging um einen Patienten mit einer akuten GIT-Blutung (warum ich neben dem Gastroenterologen auch den Chirurgen anrufen musste ist eine andere Geschichte). Er fragte zusammenhangslos dahin, wie man das eben mit Notfallassistenten so macht (vielleicht habe ich ja die Sozialanamnese vergessen). Nachdem wir uns mehrmals über die Vitalzeichen (stabil) und die Wünsche des Patienten unterhalten hatten, fragte er ob der Patient denn schockiert sei … ich muss gestehen ich habe mich zunächst über den Smalltalk gewundert und ca. 3 Minuten mit ihm weiter parliert, bis ich gemerkt habe was er meint. Zu meiner Entlastung muss gesagt werden, dass ich ihm zuvor mehrmals über die stabilen Vitazeichen einsch. Puls und Blutdruck berichtet hatte.

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Der Marburger Bund hat eine recht interessante Informationsbrochüre zur Gehaltssituation der Ärzte in D zusammengestellt
Wenn man es nicht besser wüsste, würde man denken, die mikrigen Gehälter in D sind ein Scherz. Ärzte sind sicherlich keine besseren Menschen, denen man irgendwelche Privilegien nachwerfen müsste. Aber nach mindestens 6 Jahren Studium, 2.5 Jahren unentgeltlicher Arbeit (PJ + AIP), weiteren 5 bis 8 Jahren Facharztausbildung und Arbeitszeiten von 50 bis 80 Wochenstundenist es sicherlich nicht masslos, wenn man deutlich mehr erwartet. Dazu kommt die hohe Verantwortung, die enormen Lesitungsanforderungen und der Verzicht auf ein normales Privatleben.
Mal ehrlich lieber Patient, wie fühlen sie sich, wenn sie von einem Arzt behandelt werden, der schlecht bezahlt und übermüdet ist? Fühlen sie sich sicher? Oder fragen sie sich nicht, ob es ihm nicht völlig egal ist, was mit Ihnen passiert?
Sie sollten darüber nachdenken, schliesslich geht es um Ihre Gesundheit und Ihr Leben!

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