Habe die letzten Wochen mal wieder am Bewerbungskarussel gedreht. War recht amüsant. Zum einen, weil man in der derzeitigen Situation nach wie vor selbstbewusst auftreten kann (Jobs wie Sand am Meer), zum anderen, weil es nach wie vor Chefs gibt, die noch auf einem anderen Stern leben. Vor allem die deutschen Chefär… (man verzeihe mir diesen billigen zidanesken Kopfstoss) sind teilweise wirklich der Hammer. Darauf möchte auch die Überschrift dieses Posts in meinem bescheidenen Vulgärlatein hinaus: Man sollte sich bei Abteilungen oder Kliniken mit deutschen Chefs am besten gar nicht bewerben.
Viele scheinen die menschenverachtenden deutschen Verhältnisse in die Schweizer Spitäler importieren zu wollen. Weiterbildung? Natürlich in der Freizeit. Überstunden? Fallen nicht an, wenn man gut arbeitet. Umgangston? Kasernenhofjargon. Wertschätzung der Mitarbeiter? Gehen Sie doch nach drüben, wenn es Ihnen nicht passt. Teamwork? Hä? Führungskompetenz? Fehlanzeige.
Neben den schon gemachten Erfahrungen während meiner Assistentenjahre, kamen nun noch nette Erlebnisse bei den Bewerbungsgesprächn dazu. Einer wollte mir eine 80% Stelle (Salär) zu 100% anbieten (Arbeitszeit), aber die Masche kannte ich schon. Einer war besonders innovativ und hatte eine Woche “Probearbeiten” im Sinn. Wir sind uns nicht einig geworden, weil ich partout nicht verstehen wollte, wozu denn die übliche vertragliche Probezeit dann noch gut sein sollte. Bei den Gehältern hat der eine oder andere auch gemeint tricksen zu können. Eigentlich gibt es für Assistenten in der Schweiz kantonale Lohntabellen, in denen man nach Berufserfahrung (Weiterbildungsjahre) eingestuft wir. Aber einige dachten wohl deutsch und blond = blöd und willig. Sie haben sich getäuscht. Es hat richtig Spass gemacht abzusagen.
Es gab aber auch sehr angenehme Bewerbungsgespräche, insbesondere mit Schweizern, bei denen man freudig zur Kenntnis nahm, dass Gesprächsführung durch aus eine Tugend ist. Interessant war auch, dass mich keiner mehr nach meinem Kinderwunsch gefragt hat und die meisten einer Teilzeitstelle gegenüber sehr aufgeschlossen waren.
Daraus ergeben sich folgende Empfehlungen für alle, die sich in der Schweiz bewerben:
1. Deutsche Chefs meiden.
2. Nicht in der Schweiz des Geldes wegen arbeiten (lohnt sich für Assistenzärzte nicht).
3. Trotzdem vor dem Bewerbungsgespräch die kantonalen Lohntabellen studieren.
4. Gezielt nach der Weiterbildung fragen (Stunden pro Woche, Weiterbildungsurlaub etc.).
5. Dienstmodell erfragen.
6. Nach Gespräch mit Chef/OA um Führung durch das Haus durch einen Assistenten bitten. Da erfährt man dann all das was die Hauspropaganda verschwiegen hat.
7. So bewerben, dass man Optionen hat und sich für das beste Angebot entscheiden kann.
8. In der Probezeit kündigen, wenn es Mist ist. Eine neue Stelle ist schnell gefunden.
9. Nicht vergessen: Die Stellensituation ist so, dass man selbstbewusst auftreten kann.
10. Viel Erfolg!
Hallo liebe Kollegin!
Über den “zidanesken” Kopfstoß musste ich erst ein bißchen nachdenken bis ichs verstanden habe..und dann sehr lachen..sie sollten neben Ihrer Kliniktätigkeit in der Schweiz schreiben..das können Sie wunderbar und sooo treffend, daß ich mich weglegen könnt vor lachen..
Habe grad nicht viel Zeit..bin gleich aufm FOKOngress Düsseldorf, erstmalig auch als Tutor und nicht nur entspannter Teilnehmer..sehr aufregend..und toll..alles Dank eines wunderbaren, deutschen!, jungen Chefs, trotz meiner Teilzeit, offensiv verkündeter
Familienplanung und kritischer Hinterfragerei, wenn er Sachen macht, die ich nicht versteh..manchmal hab ich Recht, oft er..er ist nämlich ein richtig Guter..
Mein Anliegen..sind Sie eigentlich deutsch und haben, zu Recht angepisst, die deutsche Kliniklandschaft verlassen??
Ich habe nach 14 Monaten düsseldorfer professoraler Ignoranz, Arroganz und Menschenverachtung fast den ganzen Job hingeschmissen und die schlimmste Zeit meines Lebens erlebt, weil ich trotz Klinikpersonalleiter nichts gg. dieses Arschloch machen konnte.
Das ganze ist jetzt 4 Jahre her, mittlerweile habe ich großartige CÄ kennengelernt und habe einen kleinen Fuß in der Tür bei Prof. Minckwitz, GBG, großartiger, kritischer und selbstkritischer Mann..macht “nur noch” in Studien..
Warum nicht neben dem ganzen Mamma-Ca-Kram eine offizielle, retrospektive, nicht anonymisierte (die CÄ betreffend!!) Datensammlung durchführen zur Evaluation der Weiterbildung in Deutschland z.B. für den Zeitraum 2000-2010..valide Daten, solide Abfragepunkte..dazu gehört auch Palliativkram, ich meine Umgang mit Sterbenden, Chemo bis zum letzten Atemzug, gibt ja Geld..Umgangsformen, Wertschätzung der Mitarbeiter von Putzhilfe bis OA..
warum nicht??..habe Zeit dafür und bin hochmotiviert, weil selbst erlebt..
Freue mich sehr über eine Rückmeldung
jetzt erstmal MammaSonoKurs, die Arbeit kann auch in Deutschland sauviel Spaß machen..
man muss nur vernünftig gucken bei Bewerbung..
da können wir doch helfen!! und Orientierung geben..und ich dem alten Sack doch nochmal richtig an den Karren fahren..:-)
Tschüss und viele Grüße aus D
Ihre Julia Voß-Diebäcker