Es hat eine Weile gedauert, bis ich einen interessanten Perspektivenwechsel an mir entdeckt habe, der mit der Flucht in die Schweiz zusammenhängt:
Scheindemokratie?
Man fühlt sich wieder als freier Bürger. Und man fragt sich wie man über Jahre als angeblich aufgeklärter und mit einer rudimentären Rumpfbildung ausgestatteter Eierkopf, auf die deutsche Scheindemokratie hereinfallen konnte. Wie habe ich mich aufgeregt über Luxemburg, die Schweiz, Liechtenstein (der Bart dieses Themas ist so lang wie der Reformstau in D). Diese Schurkenstaaten, die angeblich unseren Sozialstaat zugrunde richten, weil sie mit niedrigen Steuern unsere Firmen weglocken …
Der Staat als gieriger Krake
Später, um Jahre der Freiberuflichkeit (in D!) und des schweizer Exils reifer, ging einem plötzlich das eine oder andere Auge auf. Wir verpassen uns in D gegenseitig eine Hirnwäsche, die dafür sorgt, dass jeder brav mehr als die Hälfte dessen, was er mit seiner täglichen Arbeit erwirtschaftet, beim Staat abliefert. Wobei dieser “Staat” zu einer Krake geworden ist, einer Krake, die sich verselbständigt hat und schon lang keine Institution des Bürgers mehr ist.
Steuerwettbewerb
Ich erinnere mich noch genau, wie ich fast von der Strasse abgekommen wäre, als ich eines morgens eine DRS-Meldung hörte, die Steuern seien in den Kantonen X, Y und Z gesenkt worden, die Kantone A, B und C würden in einem Jahr folgen … ?
Steuersenkungen? Steuerwettbewerb? – Ach so, bloss für “die Reichen” natürlich, reflexte mein deutsches Hühnerhirn sofort.
Leute, das war keine Ente, das läuft hier tatsächlich so. Mal abgesehen davon, dass niedrige Steuern eine Wohltat sind, sorgt der Wettbewerb unter den Kantonen dafür, dass der Staat tatsächlich spart. Und weil er spart, hat es auch nicht für jedes Problem ein Gesetz oder eine Behörde, die es verwaltet.
“sozialdarwinistische” Verhältnisse?
Nach deutscher Logik müssten in der Schweiz deshalb “sozialdarwinistische” Verhältnisse herrschen. Kein Sozialstaat, der allen die Bäuche füllt, nur das Gesetz des Stärkeren. – Das die Schweiz (noch) einer der opulentesten Sozialstaaten ist, dürfte sich jedoch bis über die nördliche Grenze herumgesprochen haben. Es geht sogar noch weiter: Ich zahle hier prozentual deutlich weniger Steuern und Sozialbeiträge, aber ich werde im Vergleich zu D mehr dafür bekommen, wenn ich es mal brauche.
Nach deutscher Denke ist das ein interessanter Widerspruch, an dem der teutonische Geist auch tüchtig knabbert, wenn er es nicht verleugnet.
Der Staat erstickt seine Bürger
Die Erklärung ist natürlich banal und historisch in vielen vergangenen Kulturen nachzuzeichnen. Wenn der Staat seinen Bürger ausbeutet, überkontrolliert, für alles eine Lösung bieten will, erstickt er schliesslich selbst. Es ist wie mit der bekannten Kuh, die man nicht schlachten sollte, wenn man sie melken will. Der Bürger in D und in vielen anderen EU-Staaten ist schon längst Schlachtvieh und er hält dabei das Messer für den Melkschemel …
Ja, an dieser Sichtweise ist durchaus was dran und ich denke da sehr ähnlich. Leider habe ich es noch nicht geschafft in die Schweiz zu fliehen, aber wer weiß, vielleicht wenn das Gesundheitswesen in D weiter den Bach runtergeht und wir nur noch willfährige Sklaven der Kassen sind…